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KOSTBARKEITEN AUS EGER

Namhafte Museen und private Kollektionen weltweit besitzen Brettspiele, Schatullen oder mit ikonographischen Bildprogrammen ausgestattete Kabinettschränke aus Eger. Das Besondere an diesen Arbeiten sind die so genannten Reliefintarsien, die im 17. Jahrhundert in der Stadt Eger gefertigt wurden. Dort hat man begonnen, vielfarbige Intarsien nicht wie gewohnt flach, sondern plastisch erhaben auszuführen. Diese einzigartige Technik begeisterte kunstsinnige Potentaten in ganz Europa, so dass zahlreiche dieser Kabinette, Brettspiele und Schatullen ihren Weg in die Kunstkammern der aufgeklärten Fürsten jener Zeit fanden. Für das alte Europa blieb diese Technik einzigartig. Nur im ostasiatischen Kulturraum hatte sie eine ähnliche Entsprechung, ohne dass sich Beeinflussungen nachweisen lassen.

Durch die Restaurierung solcher Reliefintarsien angeregt begann sich Jochen Voigt 1987 mit der Geschichte dieser besonderen Intarsiengattung näher zu beschäftigen. Bis heute trug er die weltgrößte Materialsammlung zu jenem Thema zusammen und gilt als anerkannter Spezialist für diese Gattung von Kunstkammerobjekten.
Die in 20 Jahren angelegte Fotosammlung zur Egerer Reliefintarsia (ca. 1200 Fotografien) wurde 2005 dem Museum für Kunsthandwerk Leipzig (Grassimuseum) als Schenkung übergeben und ist dort für Forschungszwecke zugänglich.

Seine Untersuchungsergebnisse fanden ihren Niederschlag in der von ihm 1999 konzipierten und kuratierten Ausstellung "Für die Kunstkammern Europas - Reliefintarsien aus Eger" im Grassimuseum Leipzig und in seinem dazu veröffentlichtem gleichnamigen Buch (siehe unter
Publikationen).
Inzwischen hat Prof. Voigt über 100 Reliefintarsienobjekte restauriert und seine Erkenntnisse in mehreren Fachbeiträgen niedergeschrieben. Eine umfangreiche Zusammenfassung erschien in dem Band "Möbel. Uhren. Reliefintarsien", der 2001 von den Kunstsammlungen Weimar herausgegeben wurde.
Die auf dieser Seite vorgestellten Egerer Arbeiten stammen aus Thüringer Museen und sollen einen kleinen Eindruck von der Schönheit und Seltenheit solcher Objekte vermitteln. Weitere Stücke wurden für Museen in Dresden, Meissen, Leipzig, Jülich, Stralsund, Plauen, Freiberg, Glauchau und Darmstadt sowie zahlreiche private Auftraggeber restauriert.

Seit längerer Zeit arbeitet Jochen Voigt an einem Forschungsprojekt zu Reliefintarsien aus China und Japan, die im Gegensatz zu ihren Egerer Entsprechungen aus Hölzern, Halbedelsteinen, Elfenbein und Perlmutt bestehen.

   




oben: Brettspiel mit Darstellung des Proserpinaraubes, Eger um 1660, restauriert für die Wartburgstiftung Eisenach

mittig: Reiterschlacht am Leucus nach einer graphischen Vorlage Antonio Tempestas, Reliefintarsia von Adam Eck, Eger um 1650, restauriert für die
Kunstsammlungen zu Weimar

links: Brettspiel von Adam Eck mit Darstellung eines Gastmahles, Eger um 1650, restauriert für das
Museum Schloss Friedenstein Gotha.

   
   
       
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